![]() |
Mitgehen statt KonfrontierenEine Person mit Demenz ist sowohl mental als auch körperlich mit Verlust konfrontiert, beginnt De Clercq. „Wenn Rehabilitieren, Aktivieren und die Aufrechterhaltung früherer Fähigkeiten nicht mehr möglich sind, muss man als Pflegekraft diesen Prozess begleiten, anstatt dagegen anzukämpfen. Nicht ständig mit dem Verlust konfrontieren, sondern die verbleibende Autonomie so weit wie möglich erhalten. Nur dort übernehmen, wo es unbedingt notwendig ist – mit gezielter, geborgener Unterstützung.“ Ein wichtiges Prinzip bei fortgeschrittener Demenz ist für ihn die Komfortpflege-Vision. Diese legt den Fokus auf das Respektieren der Passivität der betroffenen Person, die Optimierung der verbleibenden Ressourcen sowie die Förderung von Komfort, Autonomie, Würde und persönlicher Ausstrahlung. De Clercq orientiert sich am Modell des „Golden Circle“ von Simon Sinek: Why – How – What. Warum sehen wir bestimmtes Verhalten? Wenn wir dieses verstehen, wissen wir, wie wir dem Gehirn anders begegnen müssen und was dafür konkret an spezifischer Pflegeumgebung notwendig ist. Bei fortgeschrittener Demenz wird das rationale Denken zunehmend reduziert – das sensorische und emotionale Gehirn tritt in den Vordergrund. Menschen mit Demenz leben dadurch verstärkt im konkreten Jetzt. Das Gehirn funktioniert weiterhin, aber anders – auf einer anderen Ebene. Daher ist ein verändertes Herangehen notwendig, um das verbliebene Potenzial zu nutzen. |
Reduziertes KörperbewusstseinVerhaltenssignale von Menschen mit Demenz können auch durch eine gestörte sensorische Reizverarbeitung in Bezug auf das Körpergefühl und die Körperstellung verursacht werden. Dies betrifft das sogenannte Körperschema – das Wissen, die Erfahrung und die Vorstellung vom eigenen Körper. Es entsteht ein vermindertes Körperbewusstsein, was dazu führt, dass sich Betroffene buchstäblich weniger als Eigentümer ihres Körpers fühlen. Diese Störung wird durch Demenz verursacht – durch die mangelnde Verarbeitung und Koordination verschiedener körperlicher und räumlicher Sinnesreize. Dies führt zu motorischen Auffälligkeiten wie Paratonie (erhöhter Muskeltonus bei passiven Bewegungen). Wir sprechen hier von sensomotorischer Desintegration. „Dieses reduzierte Empfinden führt zu einem Verlust motorischer Fähigkeiten. Menschen mit Demenz fühlen sich dadurch unsicher, besonders in großen oder sensorisch überfordernden Räumen. Sie verlieren ihre Bodenhaftung und verfallen schneller in Fight-, Freeze- oder Flight-Reaktion – Verhaltensweisen, die oft schwer einzuordnen sind. Dabei wollen sie mit diesem Verhalten signalisieren, dass die Umgebung für ihr Gehirn nicht passend ist.“ | ![]() |


